01.03.2019 | Defizite der S-Bahn im Agglomerationskern - Stadt und Region fordern rasches Handeln vom Kanton

Trotz der S-Bahn-Ausbauschritte 2013 und 2018 bleibt das Gesamtsystem ein Flickwerk. Mit dem neuen Fahrplan 2019 wurde für den Agglomerationskern annährend wieder der Stand vor 2013 erreicht. Eine gemeinsame Studie von Kanton, REGIO und Stadt zeigt: Entgegen bisheriger Verlautbarungen wäre eine verbessertes S-Bahn-System auch ohne drittes Gleis zwischen Gossau und St.Gallen möglich. Stadt St.Gallen und REGIO fordern daher vom Kanton St.Gallen, Bedeutung und Dringlichkeit einer optimalen S-Bahn als Standortfaktor und Treiber für die Entwicklung von kantonalen Schlüsselarealen anzuerkennen und die Umsetzung in die Wege zu leiten.

Das Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen hat im Herbst 2018 eine Studie zur Entwicklung von Verbesserungsansätzen des S-Bahn-Angebots im Agglomerationskern in Auftrag gegeben. Die Stadt St.Gallen, die REGIO, die Nachbarkantone und die Transportunternehmen begleiteten die Arbeiten. In einer Medienmitteilung des Kantons von gestern Donnerstag, 28. Februar 2019, erklärt dieser die Studie für «abgeschlossen» und verweist auf eine spätere Überprüfung des kantonalen S-Bahn-Systems.

Treten an Ort bei der S-Bahn im Agglomerationskern

Der S-Bahn Ausbauschritt 2013 brachte für die Region wesentliche Verbesserungen. Die Bedienung der Bahnhöfe im Agglomerationskern, nämlich Winkeln, Bruggen und Haggen, entwickelte sich in den letzten Jahren hingegen kaum positiv: Mit dem neuen Fahrplan 2019 wurde in etwa wieder der Stand von vor 2013 erreicht. Für Winkeln und Bruggen wurde es leicht besser. Winkeln erhielt einen sauberen Halbstundentakt (2019), Bruggen einen Halbstundentakt mit Lücken (2019) gegenüber einem Hinketakt (vor 2013). In Haggen wurde der 2013 eingeführte Viertelstundentakt wieder zu einem 15/30-Minuten-Takt abgebaut. Wittenbach muss bis mindestens 2021 mit einem Anschlussbruch zwischen S-Bahn und Fernverkehr leben. Das Versprechen aus der kantonalen Abstimmungsvorlage zur S-Bahn 2013 bleibt somit eine Verheissung: «In der Region um St.Gallen werden die Voraussetzungen für einen Viertelstundentakt geschaffen.»

Bessere S-Bahn auch ohne drittes Gleis möglich

Mit einem dritten Gleis ist eine optimale S-Bahn möglich. Jedoch bringt die erwähnte Studie eine we-sentliche neue Erkenntnis: Eine gegenüber heute verbesserte S-Bahn ist auch ohne drittes Gleis zwi-schen Gossau und St.Gallen möglich. Bisher wurden Anliegen für Verbesserungen mit Verweis auf ein mutmasslich notwendiges drittes Gleis jeweils abschlägig beantwortet. Nun zeigt sich, dass ver-hältnismässig geringe Investitionen für ein Wendegleis in Gossau Sommerau von ca. CHF 5-10 Mio. notwendig wären.

Positive Auswirkungen von Rorschach bis Wil

Mittels einer zusätzlichen S-Bahn zwischen Gossau und St.Gallen im Halbstundentakt könnte endlich der Viertelstundentakt für die Bahnhöfe Winkeln und Bruggen erreicht werden. Gleichzeitig würde damit auch der Viertelstundentakt für Haggen wieder möglich. Ein wesentlicher Mehrwert dieser Mas-snahme wäre auch, dass die S-Bahn S1 zwischen Wil-Uzwil-Flawil-Gossau und St.Gallen zusammen mit dem Interregio-Zug einen Viertelstundentakt ergäbe. Kürzere Aufenthaltszeiten von maximal 2-3 Minuten im Bahnhof St.Gallen brächten bessere Verbindungen über den Hauptbahnhof hinaus.

S-Bahn als zentraler Treiber für die Entwicklung von kantonalen Schlüsselarealen

Neben diesen wesentlichen verkehrlichen Nutzen ist auch die Erreichbarkeit der kantonalen Entwick-lungsschwerpunkte St.Gallen West/Gossau Ost sowie St.Fiden durch besseren Takt und schlankere Durchbindungen im Bahnhof St.Gallen zentral. Die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr ist erwiesenermassen ein Schlüssel für die erfolgreiche und dynamische Entwicklung von Arealen. Dies belegen zahlreiche Beispiele aus anderen Regionen und muss in einer Gesamtbetrachtung der Kosten und Nutzen berücksichtigt werden.

Umsetzung jetzt in die Wege leiten

Wenn die S-Bahn in der Region die Rolle als Entwicklungstreiber wahrnehmen soll, muss die Umset-zung jetzt in die Wege geleitet werden, damit ca. 2025 ein Angebot bereit steht. Geht es nach dem Fahrplan des Kantons sollen erst 2023 die Entscheidungsgrundlagen vorliegen. Das bedeutet, es würde fast 2030 bis Verbesserungen möglich wären. Als unmittelbare nächste Schritte fordern Stadt und REGIO den Kanton St.Gallen auf, die Studie nicht «abzuschliessen», sondern die Arbeiten fortzusetzen. Das heisst:

- Die Netto-Mehrkosten für den Betrieb der zusätzlichen S-Bahn ermitteln. Dabei sind gemeinsam mit der REGIO und den Städten St.Gallen und Gossau auch mögliche Einsparungen beim parallelen Busbetrieb (Linie 151) zu ermitteln.
- Die Investitionskosten für ein Wendegleis in Gossau Sommerau genauer bestimmen.

Erst auf dieser Basis kann eine gesamtheitliche Abwägung von Kosten und Nutzen vorgenommen werden. Diese Abwägung hat gemeinsam mit Kanton, REGIO sowie involvierten Gemeinden in einer Gesamtbetrachtung zu erfolgen.

90

Über 90 Massnahmen werden mit dem Agglomerationsprogramm der 3. Generation dem Bund zur Mitfinanzierung eingereicht.

130 Mio

Der Bund beteiligt sich in der 3. Generation mit rund 130 Millionen Franken an geplanten Verkehrsinfrastrukturprojekten in der Agglomeration St.Gallen - Bodensee.

40%

Der Bund beteiligt sich mit 40% an den Baukosten der Massnahmen des Agglomerationsprogramms St.Gallen – Bodensee der 1. und 2. Generation.

Kontakt

Agglo St.Gallen - Bodensee
Geschäftsstelle
Blumenbergplatz 1
9000 St. Gallen

Tobias Winiger

Projektleiter Aggloprogramm
071 227 40 73
tobias.winiger@remove-this.regio-stgallen.ch  

Nach dem Geographie-Studium an der Universität Zürich war Tobias Winiger beim Kanton Bern in den Bereichen Verkehrsplanung und Mobilitätsmanagement tätig, daraufhin arbeitete er in einem privaten Raumplanungsbüro in den Bereichen Richt- und Sondernutzungsplanung.

Schwachstellen & Massnahmen

In enger Zusammenarbeit von Gemeinden, Region und Kantonen werden von 2015 bis 2018 rund 270 Fuss- und Velo-Projekte umgesetzt. Das Netz wird deutlich verbessert und die Region damit zur attraktiven Veloregion.

Frei- und Grünräume

Die Übergänge von Siedlung zu offener Landschaft sind wichtige Naherholungsräume. Ausgewählte Gebiete werden, in Abstimmung mit landwirtschaftlichen Nutzungen, gezielt attraktiv gestaltet und zugänglich gemacht.

Verkehrsmanagement

Das Strassennetz im Raum St. Gallen ist heute sehr stark belastet. Zu Spitzenzeiten bleiben Autos und der öV im Stau stecken. In Zukunft wird sich die Situation gar noch verschärfen, denn bis zur Realisierung von grösseren Infrastrukturausbauten wird es noch rund 15 bis 20 Jahre dauern. Ein gezieltes Verkehrsmanagement sorgt bis zu diesem Zeitpunkt für das Funktionieren des gesamten Systems und setzt auf rasch realisierbare Massnahmen.