08.11.2011 | Gutes Agglomerationsprogramm gezielt verbessert

Eine Offensive im Langsamverkehr, ein Grossprojekt für Rorschach, mehr Attraktivität im öV und eine gezielte Steuerung der Siedlungsentwicklung. Damit ergänzen Region und Kantone das Agglomerationsprogramm St.Gallen / Arbon-Rorschach und bringen sich in Position für weitere Gelder aus dem Infrastrukturfonds des Bundes. Gesamthaft geht es um Investitionen von rund 300 Mio Franken ab 2015, wovon der Bund bis maximal die Hälfte beisteuert. Die Vernehmlassung des Programms läuft bis Ende November.

Das Agglomerationsprogramm ist ein Steuerungsinstrument für die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinweg. Es ist eine Voraussetzung, um eine Mitfinanzierung von Verkehrsinfrastrukturen durch den Bund  zu erreichen. Das Agglomerationsprogramm der 2. Generation ist derzeit bei den Gemeinden, Kantonen und Verbänden bis 30. November in Vernehmlassung und wird Mitte 2012 beim Bund eingereicht.

Auf den Stärken des ersten Programms aufbauen
Über das Agglomerationsprogramm der 1. Generation, welches Ende 2007 beim Bund eingereicht wurde, hat das eidgenössische Parlament im Jahr 2010 74 Mio Franken für wichtige Infrastrukturvorhaben der Agglomeration zugesichert. Darunter die S-Bahn St.Gallen (Ausbauschritt 2013), die Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen sowie die Entlastungsstrasse in Arbon (NLK). Dank der durch den Bund als gut eingestuften Programmwirkung betrug der Mitfinanzierungssatz 40%. Als Schwäche des Programms führte der Bund namentlich den Langsamverkehr auf. 

Quantensprung im Langsamverkehr mit Vielzahl von Massnahmen
Im Laufe der letzten zwei Jahre hat die Trägerschaft, bestehend aus den Gemeinden der Region Appenzell AR - St. Gallen - Bodensee und den drei Kantonen AR, SG, TG, das Programm überarbeitet. Das Agglomerationsprogramm der 2. Generation legt neu einen zusätzlichen Schwerpunkt beim Langsamverkehr: Die wichtigsten Achsen für den Veloverkehr sollen attraktiv und sicher gemacht und die Bedingungen für die Fussgänger optimal gestaltet werden. Damit wird ein eigentlicher Quantensprung im Langsamverkehr erreicht. Dies zu Recht: mit vergleichsweise geringen Mitteln kann ein grosser Beitrag zur Lösung der Verkehrsprobleme erreicht werden. So sind 50% aller Autofahrten nicht länger als 5 km und damit prädestiniert, um zu Fuss oder mit dem Velo zurückgelegt zu werden.

Grossprojekt für Rorschach, neue Drehscheibe in Herisau, Zentrumsentwicklung in Gossau
Eine zentrale Massnahme des Agglomerationsprogramms mit höchster Priorität ist der neue Autobahnanschluss Witen. Damit wird die Erreichbarkeit von Rorschach gesteigert sowie eine spürbare Verkehrsentlastung im Zentrum von Rorschach und Goldach erreicht. Über das Agglomerationsprogramm werden der Zubringer zum lokalen Netz und die grossräumigen flankierenden Massnahmen zur Mitfinanzierung durch den Bund beantragt. Für Herisau geht es prioritär um die Neugestaltung der Verkehrsdrehscheibe im Zusammenspiel mit dem Entwicklungsschwerpunkt beim Bahnhof. In Gossau steht die Zentrumsentwicklung mit der alternativen Ost-Erschliessung  über eine Verbindung von Industrie- und Mooswiesstrasse im Vordergrund.

Agglomerationsweites öV-Konzept
Auch beim öffentlichen Verkehr setzt das Agglomerationsprogramm weitere wichtige Impulse. Aufbauend auf der S-Bahn 2013 besteht erstmals ein agglomerationsweites öV-Angebotskonzept. In einer schrittweisen Umsetzung schafft es Synergien und ermöglicht im Zusammenspiel mit Verbesserungen im Fernverkehr (Systemknoten St.Gallen) eine weitere grosse Attraktivitätssteigerung im öV. Das Agglomerationsprogramm sieht dafür Investitionen in die 1. Teilergänzung der S-Bahn, in die öV-Umsteigepunkte (Bahn-Bus), beispielsweise in Goldach und St.Gallen Winkeln, und in die öV-Bevorzugung vor.

Siedlungsentwicklung als Schlüssel zur Lösung der Verkehrsprobleme
Für eine nachhaltige Lösung der Verkehrsprobleme ist die Steuerung der Siedlungsentwicklung mit entscheidend. Entsprechende Massnahmen des Programms der 1. Generation koppeln beispielsweise Neueinzonungen von Bauland an die Qualität der öV-Erschliessung und an eine minimale Siedlungsdichte. Diese Massnahmen wurden im Programm der 2. Generation mit weiteren Massnahmen an der Schnittstelle zwischen Landschaft und Siedlungsentwicklung ergänzt. Für die Bewertung des Agglomerationsprogramms durch den Bund sind griffige Massnahmen im Bereich Siedlung und Landschaft entscheidend.

 

Hinweis an die Redaktionen:
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