26.01.2011 | Die Ostschweiz als «Textilland» positionieren

Die Ostschweiz touristisch als «Textilland» zu positionieren wie das Piemont als Trüffel-Hochburgoder Südschweden als «Glasreich»: Dieses ehrgeizige Ziel setzt sich der Verein «TextillandOstschweiz». Die Region Appenzell AR - St.Gallen - Bodensee unterstützt das von privater Seiteinitiierte Projekt im Rahmen des Projektwettbewerbs «RegioIMPULS».

Als das St.Galler Ehepaar Reni und Rolf Schmitter in Südschweden Ferien machte, besuchte es das dortige«Glasreich» mit vielfältigen Erlebnisangeboten rund um das für die Region typische Geschäft des Glasblasens und der Glasherstellung. Die begeisternden Erlebnisse liess in ihnen das Bild eines «Textilland»Ostschweiz wachsen, in welchem Touristen Ähnliches rund um das reiche und spannende Know-how unddie Tradition der hiesigen Textilindustrie erleben konnten. «Die grossen, auch aktuellen Erfolge unsererTextilindustrie und ihr reiches historisches Erbe bieten touristisch enormes Potenzial. Das kann die Ostschweiz noch gezielter nutzen als bisher», ist Reni Schmitter überzeugt. «Und heute noch arbeitet runddie Hälfte aller Beschäftigten der Schweizer Textilindustrie in der Ostschweiz.»

Projektidee überzeugt Wettbewerbs-Jury
Als die Region Appenzell AR - St.Gallen - Bodensee im Frühjahr 2010 mit dem Projektwettbewerb«RegioIMPULS» innovative Projekte suchte, welche die Attraktivität, Wettbewerbsfähigkeit undWertschöpfung des Lebens- und Wirtschaftsstandorts der Region sowie die Identifikation mit derGesamtregion und deren Ausstrahlung steigern, packten Schmitters die Gelegenheit beim Schopf:Zusammen mit einer interessierten Kerngruppe von bedeutenden St.Galler «Textilern» und Touristikernreichten sie im Rahmen der Präqualifikation des Wettbewerbs eine Projekteingabe ein. Die Wettbewerbs-Jury erkannte das Potenzial des Projekts und beauftragte die Kerngruppe, das Konzept in einer zweiten Eingabe zu konkretisieren. Auf dieser Basis beschlossen Jury und Leitungsgremium der Region AppenzellAR - St.Gallen - Bodensee im November 2010, das «Textilland Ostschweiz» aktiv zu unterstützen.

Ostschweiz als «Textilland» positionieren
Das Ziel des Projekts ist ehrgeizig: Es soll die Ostschweiz touristisch als «Textilland» positionieren, wie esdas Piemont als Trüffel-Hochburg oder Südschweden als «Glasreich» sind. Zu diesem Zweck sollen eineMarke, Plattform und Erlebniswelt «Textilland Ostschweiz» geschaffen und die Region verstärkt medial alsTextilland positioniert werden. Über eine umfassende Plattform bündelt und initiiert «Textilland Ostschweiz»in Zusammenarbeit mit den Tourismus-Destinationen, dem Textilverband und dem Textilmuseum attraktiveAngebote aus Textilgeschichte und -industrie für die touristische Vermarktung – bis hin zu Hightech-Textilien wie innovativen Kunstrasen. Eine «Textillandkarte» wird eine umfassende Erlebnisübersicht mit Kontakt- und Buchungsmöglichkeiten bieten. Im Auge hat das Projekt damit vor allem die Kantone St.Gallen, Thurgau und beide Appenzell mit ihrer ausgeprägten Textiltradition.

Attraktive Angebotspalette
Was aktuell als Grobkonzept auf dem Papier steht, soll in den kommenden Monaten im Rahmen von Teilprojekten zügig realisiert werden. Die Angebote, die «Textilland Ostschweiz» bündeln und schaffen will,decken eine breite Palette ab. So sollen Textilunternehmen, die als Gründungsmitglieder bei «Textilland Ostschweiz» engagiert sind, in passenden Hotels einzelne Zimmer speziell und individuell als ihre «Textilzimmer» ausstatten. Sie übernehmen die Verantwortung und Finanzierung für die Gestaltung dieser Zimmer. Zugleich wird angestrebt, in den jeweiligen Hotels kulinarische Gourmet-Erlebnisse in Beziehungzur Ostschweiz zu schaffen. Die Textilzimmer werden speziell vermarktet und können direkt online über die Plattformen von «Textilland Ostschweiz» und der Tourismus-Destinationen gebucht werden. «Die Textilzimmer sind für die Hotels wie für die Textilunternehmen spannend, wie die grösstenteils begeisterten Reaktionen darauf zeigen», stellt Projektinitiant Rolf Schmitter fest: «Bereits mehrere Hoteliers und Textilunternehmer haben spontan beschlossen, solche Zimmer zu realisieren.»

Schrittweises Vorgehen
Die Umsetzung des Projekts erfolgt schrittweise, vom Kleinen zum Grösseren. So soll unter dem Arbeitstitel«Textilkiosk» einem Bedürfnis entsprochen werden, auf das Hoteliers und Touristiker immer wiederangesprochen werden: Wo sind textile Produkte zu kaufen, die als Souvenirs und Geschenke aus St.Gallennach Hause mitgebracht werden können? In einem ersten Schritt werden eine koordinierte Übersicht überdas bestehende Angebot an Fabrikshops und ein gemeinsamer Online-Shop der beteiligtenTextilunternehmen geschaffen, in einem zweiten soll ein eigentlicher Textilshop im Stadtzentrum realisiertwerden. Zugleich sieht das Konzept vor, in St.Gallen vom Textilmuseum über den Tröckneturm ins Sittertaleinen «Textilweg» zu schaffen, der über die Textillandkarte auch mit weiteren Textil-«Hotspots» wie dem Volkskundemuseum in Stein, dem Industrielehrpfad Hauptwil-Bischofszell oder dem Dorfplatz von Trogenverbunden werden soll. Im Rahmen weiterer Teilprojekte sollen in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachstellen themenspezifisches Unterrichtsmaterial für die Oberstufe ausgearbeitet, neue Führungen und Dokumentationen zum architektonischen Erbe der Textilindustrie entwickelt sowie in Zusammenarbeit mitder EMPA und führenden Unternehmen der textilen Hightech-Branche ein Ausstellungs- oderBesuchsangebot mit textilen Hightech-Anwendungen geschaffen werden.

Laufend wachsender Verein
Als Träger des Projekts wurde ein Verein mit einer Geschäftsstelle ins Leben gerufen. Der Verein ist breitabgestützt: Den Kern bilden rund ein Dutzend Gründungsmitglieder, darunter die Mehrheit der grösseren Textilunternehmen der Region. Insgesamt umfasst der Verein aktuell rund zwanzig Mitglieder, assoziiertePartner und Gönner, und die Mitgliederbasis wird laufend verbreitert. Zum Präsidenten wählte die erste Mitgliederversammlung im März, an der rund 40 Mitglieder und Interessierte teilnahmen, Projektinitiant Rolf Schmitter, zum Vizepräsidenten AKRIS-CEO Peter Kriemler, auch er im Projekt ein Mann der ersten Stunde:«Das Potenzial der Projektidee und die Begeisterung von Reni und Rolf Schmitter überzeugten mich vom ersten Moment an, als sie mir vor rund einem Jahr davon erzählten. Wenn wir das touristische Profil der Ostschweiz schärfen können, profitiert die Region als Ganzes davon.»

Public-Private-Partnership
Die Wettbewerbseingabe rechnet für den Projektaufbau in den ersten zwei Jahren und die Realisierung derminimalen Angebotsvarianten mit rund CHF 230'000 Kosten. Nicht mitgerechnet sind geschätzte CHF 200'000, welche die beteiligten Textilunternehmen und Hotels sowie die Vorstandsmitglieder zusätzlich in die Umsetzung investieren. Bereits über die Hälfte der Mittel hat der Verein über Mitglieder und Gönnerbeiträge gesichert, die zweite Hälfte leistet die Region Appenzell AR - St.Gallen - Bodensee mit ihrem Wettbewerbsbeitrag von CHF 115'000. «Das namhafte und breite, auch finanzielle Engagement derTextilindustrie für das Projekt hat mit dazu beigetragen, dass sich die Region Appenzell AR - St.Gallen -Bodensee ebenfalls mit einem namhaften Beitrag daran beteiligt», freut sich Thomas Scheitlin, Präsidentder Region Appenzell AR - St.Gallen - Bodensee, über das starke Signal aus der Wirtschaft. «Das ist ein Musterbeispiel einer gesunden Public-Private-Partnership.»

Breit abgestützter Vereinsvorstand
Folgende Vorstandsmitglieder, die von der ersten Mitgliederversammlung des Vereins im März gewählt wurden, engagieren sich an vorderster Front für «Textilland Ostschweiz»:

– Rolf Schmitter, Projektinitiant (Präsident)
– Peter Kriemler, CEO AKRIS AG, St.Gallen (Vizepräsident)
– Rolf Geiger, Geschäftsleiter Region AR-St.Gallen-Bodensee
– Max R. Hungerbühler, Präsident Textilverband TVS
– Thomas Meyer, CEO Bischoff Textil AG, St.Gallen
– Vinzenco Montinaro, CEO AG Cilander, Herisau
– Reni Schmitter, Projektinitiantin
– Boris Tschirky, Direktor St.Gallen-Bodensee Tourismus
– Silvan Wildhaber, CEO Filtex AG, St.Gallen
– Rainer Zigerlig, ehem. Leiter Kantonales Steueramt St.Gallen (Kassier)

Kontakte
Rolf Schmitter, Projektinitiant, Präsident Verein «Textilland Ostschweiz», Tel. 071 221 82 36
Peter Kriemler, CEO AKRIS AG, Vizepräsident Verein «Textilland Ostschweiz», Tel. 071 227 77 22
Thomas Scheitlin, Präsident Region Appenzell AR - St.Gallen – Bodensee,Tel. 071 224 53 21
Iwan Köppel, Geschäftsführer «Textilland Ostschweiz», Tel. 071 992 66 00 / 079 407 70 50