26.01.2012 | Von Projektideen überschwemmt

Aussergewöhnliche, regionale Ideen-Entwicklung und neue, spezielle Projekte: Das zweite, öffentliche Standortforum der Region Appenzell AR – St. Gallen – Bodenseevom Donnerstag, 26. Januar 2012, in St. Gallen war nicht nur ein Grossanlass, sondern wurde auch zum Grosserfolg, weil über 270 Personen aktiv mitwirkten. Die Organisatoren wurden mit Projektideen förmlich überschwemmt. Die besten Ideen fürneue Projekte erhalten nun ansehnliche Finanzspritzen.

Der Kreativprozess am Standortforum verlangte von den Organisatoren und Moderator Marco Fritsche einiges ab. Dies wurde schon im einleitenden Zwiegespräch der beiden federführenden Präsidenten über die Zukunft der Region deutlich: Der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Wirtschaftsvertreter Martin Huser entfalteten ihr kabarettistisches Talent und setzten motivierende Impulse. Thomas Scheitlin ist Präsident des koordinierenden Leitungsgremiums der Region und präsidiert die Vereinigung der Gemeinden, die zusammen mit der Interessengemeinschaft Standortmanagement unter der Leitung von Martin Huser die Geschicke der Region lenkt. Sie haben für das Standortforumeine breit abgestützte Jury aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammengestellt und ihrdas Ziel vorgegeben, vor Schluss des Standortforums die besten Projekte zu prämieren.

Geldprämien für die besten Ideen
Es hat sich gelohnt, wurden doch Ideen für die unterschiedlichsten Gesellschafts- und Wirtschaftsbereiche eingebracht. Am meisten Eindruck machten einige Ideen, die für die Weiterentwicklung eine Finanzspritze erhalten. Der definitive Betrag – entweder 3‘000 oder10‘000 Franken – wird jedoch erst nach dem Standortforum aufgrund intensiverer Abklärungen projektbezogen festgelegt. Eine Geldprämie erhalten die Projektidee zur Förderung von wissenschaftlichen Events mit grosser Ausstrahlungskraft, ein Bus zu Firmenals Vernetzungsinstrument, die Projektidee Buchstadt St. Gallen, Nostalgietage für die Ostschweiz und ein „Gallus Award“ für den naturwissenschaftlichen Bereich. Die Jury wird ineinem weiteren Workshop auch alle anderen eingereichten Projektideen nochmals prüfen.

Zusätzlichen Schub verliehen
Nebst den prämierten Projektideen wurde eine Vielzahl weiterer Ideen entwickelt, die laut Rolf Geiger, Leiter der Geschäftsstelle der Region, ebenfalls noch viel Potenzial enthalten. Diessei eine optimale Ergänzung zu den bereits erfolgreich von der Region lancierten Projekten.Er erwähnte unter anderem die Verbesserung der Verkehrserschliessung, das Standortportfolio mit den neun wichtigsten Arealen der Region und das Textilland Ostschweiz.Er forderte die Teilnehmenden vor der Ideenentwicklung in mehreren Arbeitsgruppen heraus, die Strategie der Region in weitere Projekte zu verwandeln. Mit dem Resultat ist er mehr alszufrieden: «Wir erhielten zusätzlichen Schub, um unsere Strategie konsequent innerhalb undausserhalb der Region weiterzuentwickeln.»

Wege zum attraktiven Standort
Die Teilnehmenden liessen sich vor der kreativen Arbeit auch von Alain Thierstein inspirieren. Thierstein, selber in der Region aufgewachsen, ist einer der führenden Spezialisten für Regionalentwicklung und heute Professor für Raumentwicklung an der Technischen Universität München. Er liess mit eindrücklichen Worten und selbstredenden Darstellungenkeine Zweifel offen: Die Region muss daran arbeiten, die Wahrnehmung gegen innen undaussen positiv zu beeinflussen. Thierstein rief in Erinnerung, dass die Region von Aussenstehenden viel weniger wahrgenommen werde als von innen. Zudem zeigte ergrafisch auf, wie sich einzelne Wirtschafts- und Bildungszentren in der Region sowie Wohngebiete und Kulturangebote räumlich gut ergänzen. Dabei sei es entscheidend, sichnoch stärker zu vernetzen – gegen innen und gegen aussen, denn: Es sei äusserstbedeutsam, die nationale und internationale Vernetzung weiterzuentwickeln, um als Regionim Wettbewerb der Standortqualität besser wahrgenommen zu werden. Er verhehlte nicht, dass Teilregionen aus dem Gebiet der Region Appenzell AR – St. Gallen – Bodensee imgesamtschweizerischen Vergleich bestenfalls als durchschnittlich abschneiden und sagte:«Wir müssen auf die Jagd nach Zukunftschancen.» Die Vernetzung sei gleichsam der Nährboden und das Fundament der drei von der Region definierten «Leuchttürme», dem Wirtschaftszentrum St. Gallen, dem Stadtraum Bodensee und der Natur- und Kulturlandschaft Appenzellerland. Es stelle sich gerade auch im Hinblick auf die weiterzuführenden Projektedie entscheidende Frage: «Wie kann die Region die Nährböden nach innen vernetzen undverdichten, damit die Leuchttürme nach aussen heller scheinen?»